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Der Stellvertretende Bezirksstaatsanwalt hatte Darryl Powers, dem verhaftenden Beamten, bereits drei Fragen gestellt, bevor Amanda Jaffe erkannte, dass die erste unzulässig gewesen war. Sie sprang auf.

»Einspruch, Hörensagen.«

Richter Robard machte ein verdutztes Gesicht. »Wie kann Mr. Darts Frage Hörensagen sein, Ms. Jaffe?«

»Nicht die Letzte, Euer Ehren. Ich glaube, es war ... mal sehen. Ja. Die Erste.«

Richter Robard verzog das Gesicht, als habe er starke Schmerzen.

»Wenn Sie diese Frage für Hörensagen hielten, warum haben Sie dann nicht Einspruch erhoben, als sie gestellt wurde?«

Amanda spürte, wie ihr die Hitze in die Wangen stieg.

»Ich habe erst jetzt erkannt, dass es Hörensagen war.«

Der Richter schüttelte traurig den Kopf und drehte die Augen himmelwärts, als wolle er den Herrn fragen, warum Er ihn mit so viel Unfähigkeit quäle.

»Abgelehnt. Fahren Sie fort, Mr. Dart!«

Amanda brauchte einen Augenblick, bis ihr einfiel, dass abgelehnt^ für sie eine Niederlage bedeutete. Sie ließ sich auf ihren Stuhl fallen. Inzwischen hatte Dart eine weitere Killerfrage gestellt. Willkommen in der Wirklichkeit, flüsterte eine winzige Stimme in ihrem Kopf. Sie hatte an einer der besten juristischen Fakultäten des Landes Bestnoten in Beweisführung erhalten und in einer Fachzeitschrift einen Artikel über Hörensagen veröffentlicht, aber sie konnte nicht schnell genug denken, um vor Gericht rechtzeitig Einspruch zu erheben. Jetzt hielt der Richter sie mit Sicherheit für eine Idiotin, und nur Gott wusste, was die Geschworenen von ihr dachten.

Amanda spürte eine Hand auf ihrem Unterarm. »Denk dir nichts, Mädchen!«, sagte LaTricia Sweet. »Du hältst dich gut.«

Toll, dachte Amanda. Ich baue einen solchen Mist, dass meine Mandantin meint, mich trösten zu müssen.

»Und waren Sie so angezogen wie jetzt, Officer Powers?«, fuhr Rodney Dart fort.

»Nein, Sir. Ich trug Zivilkleidung, weil das eine verdeckte Operation war.«

»Vielen Dank, Officer. Bitte berichten Sie den Geschworenen, was als Nächstes passiert ist!«

»Ich fragte die Angeklagte, wie viel die von ihr vorgeschlagenen sexuellen Handlungen kosten würden. Die Angeklagte erwiderte, dass sie in dem Motel auf der anderen Straßenseite ein Zimmer habe und das Geschäftliche lieber dort besprechen wolle. Ich fuhr auf den Parkplatz des Motels und folgte der Angeklagten in das Zimmer eins-null-sieben.«

»Was geschah in diesem Motelzimmer?«

»Ich bat die Angeklagte, mir die Preise für die verschiedenen sexuellen Handlungen zu nennen, und sie erwiderte, sie reichten von fünfzig Dollar bis zweihundert Dollar für etwas, das sie Nacht der Ekstase nannte.«

»Was genau war diese Nacht der Ekstase, Officer Powers?«

»Um ehrlich zu sein, Mr. Dart, das war zu kompliziert, um es mir merken zu können, und zu der Zeit konnte ich ja mein Notizbuch nicht herausziehen, weil ich verdeckt ermittelte.«

Darryl Powers hatte babyblaue Augen, wellige blonde Haare und ein Lächeln, das Amanda sonst nur aus der Zahnpastawerbung kannte. Er wurde sogar rot, als er auf die Frage nach der Nacht der Ekstase antworten musste. Zwei der weiblichen Geschworenen sahen aus, als wollten sie gleich über das Geländer der Geschworenenbank springen und ihm die Kleider vom Leib reißen.

Amanda wurde immer mutloser, während Powers die Umstände erklärte, die zu LaTricias Verhaftung wegen Prostitution geführt hatten. Ihr Kreuzverhör war armselig. Als sie damit fertig war, sagte Rodney Dart nur: »Die Anklage hat ihre Beweisführung abgeschlossen.« Dann schaute er, mit dem Rücken zu den Geschworenen, Amanda an und grinste. Amanda dachte kurz daran, Dart den Stinkefinger zu zeigen, aber sie war zu deprimiert, um sich zu wehren. Eigentlich wollte sie nur noch ihren ersten Prozess zu Ende bringen, nach Hause gehen und Harakiri begehen. Außerdem hatte Dart jedes Recht, so zu grinsen. Er nahm sie nach allen Regeln der Kunst auseinander.

Officer Powers lächelte die Geschworenen an, als er den Zeugenstand verließ. Alle fünf weiblichen Geschworenen lächelten zurück.

»Irgendwelche Zeugen, Ms. Jaffe?«, fragte Richter Robard, aber Amanda hörte ihn nicht. Sie dachte an den vergangenen Nachmittag, als der Seniorpartner ihrer Kanzlei, ihr Vater Frank Jaffe, ihr LaTricias Fall übergeben und ihr aufgetragen hatte, ihn am folgenden Vormittag vor Gericht zu vertreten.

»Wie soll ich denn meinen ersten Fall vertreten, ohne je mit den Zeugen gesprochen oder irgendwelche Nachforschungen angestellt zu haben?«, hatte Amanda entsetzt gefragt.

»Glaub mir«, hatte Frank Jaffe erwidert, »bei einer Mandantin wie La-Tricia fährst du umso besser, je weniger du weißt.«

Amanda hatte die Akte Der Staat gegen Sweet viermal gelesen, bevor sie den Gang hinunter zum Büro ihres Vaters marschiert war, sich vor seinem Schreibtisch aufgebaut und ihm mit der Akte vor dem Gesicht herumgefuchtelt hatte.

»Was soll ich denn damit anfangen?«, hatte sie wütend gefragt.

»Eine energische Verteidigung aufhauen«, hatte Frank geantwortet.

»Wie denn? Es gibt nur einen Zeugen, und der ist ein vereidigter Polizeibeamter. Er wird aussagen, dass unsere Mandantin versprochen hat, Dinge zu tun, von denen fünfundneunzig Prozent der Menschheit wahrscheinlich noch nie was gehört haben.«

»LaTricia weiß ganz genau, was sie zu tun hat.«

»Dad, komm mal in die Wirklichkeit zurück! Sie hat dreizehn Vorstrafen wegen Vergehen wie Prostitution, verbotener Berührung und unzüchtigem Verhalten. Wer wird da ihr mehr Glauben schenken als einem Polizisten?«

Frank hatte nur die Achseln gezuckt. »Es ist eine komische Welt, Amanda.«

»Ich kann einen Fall doch nicht auf diese Art vertreten«, hatte Amanda erwidert.

»Natürlich kannst du das. Vertrau mir! Und vertrau LaTricia! Alles wird okay, wenn du die Sache einfach laufen lässt.«

Richter Robard räusperte sich und wiederholte seine Frage. »Ms. Jaffe, irgendwelche Zeugen?«

»Ah, ja, Euer Ehren.«

Als Amanda aufstand, blieb der enge Rock ihres schwarzen Don-na-Karan-Kostüms über ihren Knien haften. Sie wollte ihn weiter herunterziehen, hatte aber Angst, dass jeder im Saal es sehen würde. So stand sie mit teilweise entblößten Schenkeln vor der Richterbank und spürte, wie ihr die Röte in die Wangen stieg.

»Die Verteidigung ruft LaTricia Sweet als Zeugin auf.«

Bevor LaTricia ihren Platz verließ und zum Zeugenstand ging, beugte sie sich zu Amanda und flüsterte ihr ins Ohr: »Denk dir nichts, Kleine! Nachdem ich geschworen habe, dass ich die Wahrheit sage, fragst du mich, womit ich meinen Lebensunterhalt verdiene, was ich zu dem Polizisten da gesagt habe und warum ich es gesagt habe. Dann lehnst du dich zurück und lässt mich die Sache durchziehen.«

Bevor Amanda etwas erwidern konnte, stolzierte LaTricia durch den Saal. Ihr Busen und ihr Hintern waren so riesig, dass Amanda befürchtete, der enge rote Pullover und der knappe schwarze Lederrock würden platzen. Eine orange-blonde Perücke saß ihr etwas schief auf dem Kopf. Amanda verglich ihre Mandantin mit dem strahlenden Darryl Powers und stöhnte innerlich auf.

Da sie keinen anderen Plan hatte, beschloss Amanda, sich an die Anweisungen ihren Mandantin zu halten.

»Ms. Sweet«, fragte sie, nachdem LaTricia vereidigt war, »womit verdienen Sie Ihren Lebensunterhalt?«

»Ich verkaufe meinen Körper auf dem Straßenstrich von Portland, Ms. Jaffe.«

Amanda riss erstaunt die Augen auf. Dieses Geständnis war eine Überraschung, aber sie war erleichtert, dass ihre Mandantin wenigstens nicht unter Eid log.

»Können Sie uns sagen, was am Abend des dritten Augusts letzten Jahres passiert ist?«

»Ja, Ma'am.«

LaTricia sammelte sich und wandte sich dann den Geschworenen zu.

»Am dritten August arbeitete ich auf dem Martin Luther King Boulevard, als Officer Powers daherkam.«

»Wussten Sie, dass er Polizist ist.«

»Ja, das habe ich gewusst.«

»Tatsächlich?«

»O ja. Ich hatte schon gesehen, wie Officer Powers seine Masche bei einigen meiner Freundinnen abgezogen hat.«

»Warum haben Sie dann... Ah, was passierte als Nächstes?«

LaTricia strich den Rock glatt und räusperte sich.

»Officer Powers fragte mich, ob ich mit ihm Sex machen würde. Aber ich wusste, was er vorhatte. Wie gesagt, ich habe ja gesehen, wie er meine Freundinnen verhaftet hat. Aber ich wusste, dass er mich nicht verhaften konnte, wenn ich kein Geld erwähnte. Also sagte ich ihm, ich hätte ein Zimmer in dem Motel auf der anderen Straßenseite und würde mich wohler fühlen, wenn wir unsere gemeinsamen Interessen dort besprechen könnten. Officer Powers fragte mich, wie diese gemeinsamen Interessen aussehen könnten, und ich beschrieb ihm ein paar Sachen, die ihn anzumachen schienen. Zumindest kam es mir so vor, weil er rot wurde und ich sah, dass bei ihm nicht nur die Temperatur in die Höhe stieg.«

Zwei der Geschworenen sahen sich an.

»Was passierte dann?«, fragte Amanda.

LaTricia blickte zu den Geschworenen hinüber und dann auf ihren Schoß.

»Officer Powers fuhr auf den Motelparkplatz, und wir gingen in mein Zimmer. Drinnen habe ich dann... Mir ist das ein wenig peinlich, Ms. Jaffe, aber ich weiß, dass ich die Wahrheit sagen muss.«

»Lassen Sie sich ruhig Zeit, Ms. Sweet!«, riet ihr Amanda.

LaTricia nickte, atmete tief durch und fuhr fort.

»Wie gesagt, ich hatte Officer Powers schon öfter gesehen, und für mich war er so ziemlich das Süßeste, was ich je gesehen habe, so jung und schüchtern. Alle meine Freundinnen, die er eingebuchtet hatte, sagten, dass er sehr höflich war und sie wie Damen behandelte. Nicht wie die anderen Polizisten. Und, na ja ...«

»Ja?«

LaTricia senkte den Blick. Als sie weiterredete, war ihre Stimme kaum zu vernehmen.

»Die Wahrheit ist, ich habe mich in Officer Powers verliebt, und das habe ich ihm gestanden, kaum dass ich die Tür zu meinem Zimmer zugemacht hatte.«

Die Geschworenen beugten sich vor. In hinteren Teil des Saals kicherte jemand.

»Ich weiß, das klingt verrückt«, sagte LaTricia, zum Publikum gewandt, »und ich weiß, dass Officer Powers nichts von meinem Geständnis gesagt hatte, als er im Zeugenstand war. Ich weiß nicht, ob er das ausgelassen hat, weil es ihm peinlich war oder weil er mich nicht in Verlegenheit bringen wollte. Er ist ja ein solcher Gentleman.«

LaTricia straffte die Schultern und wandte sich wieder an die Geschworenen.

»Sobald wir alleine waren, sagte ich ihm, dass ich weiß, dass er Polizist ist. Und ich sagte ihm auch, dass ich weiß, dass ich nur eine alte Hure bin und vom Leben gezeichnet, aber dass ich für ihn etwas empfinde, was ich noch für keinen Mann empfunden habe. Und Officer Powers, der wurde rot und machte ein Gesicht, als wollte er überall sein, nur nicht bei mir, und das kann ich ja auch verstehen. Wahrscheinlich hat er eine nette weiße Frau, was ganz Adrettes. Aber ich sagte ihm, dass ich nichts anderes will als eine Liebesnacht mit ihm und dass er mich danach ins Gefängnis stecken kann, weil eine Nacht mit seiner süßen Liebe eine Ewigkeit im Gefängnis wert ist.«

Eine Träne lief LaTricias Wange hinunter. Sie hielt inne, zog ein Tuch aus der Handtasche und tupfte sich die Träne weg. Dann sagte sie zu den Geschworenen: »'tschuldigung.«

»Wollen Sie ein Glas Wasser, Ms. Sweet?«, fragte Amanda, die sich von dieser leidenschaftlichen Darstellung hatte mitreißen lassen.

Rodney Dart sprang auf. »Einspruch, Euer Ehren! Das ist zu viel.«

»Ach, ich erwarte nicht, dass Sie mir das glauben, Mr. Staatsanwalt. Eine alte Schachtel wie ich, die Liebe bei einem Mann sucht, der halb so alt ist wie sie. Aber darf ich denn nicht träumen?«

»Euer Ehren«, flehte Dart.

»Die Angeklagte hat das Recht, sich zu verteidigen, Mr. Dart«, entgegnete Richter Robard in einem Ton, der den Geschworenen verdeutlichte, dass er LaTricia ihre Geschichte nicht abkaufte, aber einige der Geschworenen warfen dem Staatsanwalt dennoch wütende Blicke zu.

»Sonst habe ich nichts mehr zu sagen«, schloss LaTricia. »Ich habe um die Liebe gespielt und verloren. Ich bin bereit, alles zu akzeptieren, was das Schicksal für mich bereithält. Aber Sie sollen wissen, dass ich von diesem Mann nie Geld wollte. Alles, was ich von ihm wollte, war Liebe.«

Frank Jaffe, der Seniorpartner von Jaffe, Katz, Lehane and Brindisi, war ein großer Mann mit gesunder Gesichtsfarbe und grau melierten schwarzen Locken. In seiner Jugend hatte er sich zweimal die Nase gebrochen, und er sah eher aus wie ein Lastwagenfahrer oder ein Matrose denn wie ein Anwalt. Frank saß in seinem Büro und diktierte eben einen Brief, als Amanda mit der Akte Sweet in der Hand hereinkam.

»Wie konntest du mir das nur antun?«

Frank grinste. »Du hast doch gewonnen, oder?«

»Darum geht es nicht.«

»Ernie Katz hat hinten im Zuschauerraum gesessen. Er meinte, du wärst nicht absolut furchtbar gewesen.«

»Du hast Ernie geschickt, damit er zusieht, wie ich gedemütigt werde?«

»Er meinte außerdem, du hättest ausgesehen, als hättest du eine Heidenangst gehabt.«

»Die hatte ich auch, und dass du mir diesen verrückten Fall gegeben hast, war auch nicht gerade hilfreich.«

»Du hättest so oder so Angst gehabt, egal, welchen Fall du als Ersten vertreten hättest. Bei meinem ersten Fall habe ich den ganzen Prozess über nur versucht, mich an die Formulierung zu erinnern, die man benutzt, wenn man ein Beweisstück vorlegen will.«

»Vielen Dank, dass du mir das jetzt mitteilst.«

»He, ich habe meinen ersten Prozess verloren. Ich wusste, dass du mit LaTricia als Mandantin eine reelle Chance haben würdest, egal, wie du dich anstellst. Ich vertrete LaTricia seit Jahren, und sie kommt meisten mit heiler Haut davon. Ernie meinte, die Geschworenen seien schon nach zwanzig Minuten wieder zurück gewesen.«

»Nach zweiundzwanzig«, erwiderte Amanda mit einem widerwilligen Lächeln. »Ein schneller Sieg, das muss ich zugeben.«

Frank lachte. »Ernie fand auch dein Schlussplädoyer ziemlich klasse. Vor allem den Teil, als du den Geschworenen sagtest, du hättest die Gesetzestexte des Staates Oregon durchforstet, aber nirgendwo Liebe als Verbrechen definiert gefunden.«

Amanda grinste. Das war wirklich ein toller Spruch gewesen. Dann verschwand ihr Lächeln.

»Ich halte dich trotzdem für einen Mistkerl.«

»Jetzt gehörst du zu den Kriegern, Kleines. Die ganze Kanzlei wartet im Scarletti's, um mit dir zu feiern.«

»O Scheiße, die wollen doch nur über mich herziehen. Außerdem habe ich nicht viel getan. Den Prozess hat LaTricia mit ihrem Lügenmärchen gewonnen.«

»He, Gerichtsanwälte sollten nie bescheiden sein. Prahle mit deinen Siegen und schiebe deine Niederlagen parteiischen Richtern, Ignoranten Geschworenen oder faschistoiden Staatsanwälten mit ihren Tricks in die Schuhe. Im Augenblick bist du der einzige Anwalt in dieser Kanzlei, der noch nie einen Prozess verloren hat.«

Bis Amanda eine eigene Wohnung fand, lebte sie bei Frank in dem grünen viktorianischen Haus mit dem steilen Dach, in dem sie aufgewachsen war. Seit sie neun Jahre zuvor mit dem College angefangen hatte, war sie, von kurzen Besuchen im Sommer und an Feiertagen abgesehen, nicht mehr zu Hause gewesen. Nach so vielen Jahren der Unabhängigkeit fand sie es merkwürdig, nun wieder in dem Schlafzimmer im ersten Stock zu wohnen, in dem sie ihre Kindheit verbracht hatte. Das Zimmer steckte voller Erinnerungen an ihre Jugend: Zeugnisse von der High School und dem College, Regale voller Schwimmtrophäen und -medaillen, gerahmte Zeitungsartikel über ihre sportlichen Großtaten.

Amanda war erschöpft und ein wenig beschwipst, als sie um zehn ins Bett stieg, aber zum Schlafen war sie zu aufgeregt. Frank hatte kein Recht, sie unvorbereitet in einen Prozess zu stoßen, so wie er sie mit drei Jahren in das Becken des YMCA gestoßen hatte, um ihr das Schwimmen beizubringen. Und jetzt im Scarletti's hatte er sie in schlimme Verlegenheit gebracht, als er in seiner Ansprache ihren Erfolg vor Gericht mit ihrem Überraschungserfolg bei ihrer ersten Teilnahme an den staatlichen High-School-Schwimmmeisterschaften verglich. Sie wollte, dass ihr Vater sie nicht mehr als sein kleines Mädchen betrachtete, sondern begriff, dass sie eine erwachsene Frau war und Zeugnisse und Referenzen in der Tasche hatte, die ihr jede Tür in der juristischen Welt öffnen würden.

Amanda hatte vergessen, wie beherrschend Frank sein konnte. Es machte sie wütend, dass er immer zu wissen meinte, was das Beste für sie sei. Heute Abend hatte sie sich nicht zum ersten Mal überlegt, ob es ein Fehler gewesen war, in Franks Kanzlei einzutreten, anstatt zu einer der vielen Sozietäten in San Francisco zu gehen, die sie umworben hatten, oder sich um eine Assessorenstelle am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten zu bewerben, wie Richter Madison es vorgeschlagen hatte.

Amanda starrte die Schatten an der Decke ihres Schlafzimmers an und fragte sich, warum sie nach Portland zurückgekehrt war, doch sie kannte die Antwort bereits. Seit sie alt genug war, um zu verstehen, was ihr Vater tat, war sie fasziniert und verführt von den Geheimnissen und Abenteuern des Strafrechts, und es gab keinen besseren Strafverteidiger als Frank Jaffe. Schon als kleines Mädchen hatte sie zugesehen, wie ihr Vater Geschworene bezauberte und Zeugen des Gegners verwirrte. Bei Pressekonferenzen hatte er sie im Arm gehalten, und am Küchentisch hatte er mit ihr bei einer Tasse heißer Schokolade seine Strategie besprochen. Während ihre Kommilitonen über das Geld redeten, das sie verdienen würden, dachte sie an die Unschuldigen, die sie retten würde.

Amanda drehte sich zur Seite. Ihre Augen hatten sich an die Dunkelheit gewöhnt. Sie betrachtete die Symbole ihrer Erfolge, die Frank hier gesammelt hatte. Frank lebte durch sie seine verlorene Kindheit nach. Sie wusste, dass er sie liebte und nur das Beste für sie wollte. Aber sie wollte die Chance, selbst zu entscheiden, was das Beste für sie war.

Amanda Jaffe 01 - Die Hand des Dr Cardoni
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